Freitag, 18. Juli 2014

Einleben in Afrika


Inzwischen bin ich eingelebt (das ging ja schnell). Ich habe gelernt, bei böse guckenden Menschen reicht ein "Mambo" und sie lachen sofort und verwickeln dich in ein Gespräch - was schwierig ist, da meine Kenntnisse noch nicht sehr weit über Mambo und die zahlreichen Antwortmöglichkeiten darauf hinausreichen. Wilde Zahlen könnte ich erwidern oder Kuku Choma (geröstetes Hähnchen) aber der Rest fällt auch nach 3 Tagen vergeblichen Versuchens meiner Hostel- und Nachbarsmenschen noch relativ schwer. Naja. Wird schon. Hakuna matata und so.
Die Welpen haben inzwischen zumindest zur Hälfte die Augen auf und purzeln sich durch die Welt, ich habe inzwischen den Weg zur Stadt und zurück allein gemeistert, ohne mich zu verlaufen und ich weiß auch woher ich ein Piki Piki (Taxi) bekomme, wenn ich mich doch mal wieder verfranse. Ich weiß sogar, was ich dann sagen muss, denn wie gesagt, Straßennamen gibt es hier nicht.
Gestern erfuhr ich auch, wie das mit der Post dann funktioniert. Man muss halt gelegentlich mal zur Post fahren und fragen, ob es einen Brief gibt. Eben alles etwas anders hier.
Jedenfalls hat mich schon etwas der Alltag gepackt. Der wird nur unterbrochen von wunderschönen Ausflügen mit den Leuten hier, die mir superlieb alle schönen Orte zeigen.
Wird also Zeit, dass ich mich bald mal in die nächste Stadt aufmache und das Projekt suche, weswegen ich eigentlich hier bin.
Suchen trifft's ganz gut, weil ich weder eine Nummer habe, Adresse oder Namen... Ist alles Schall und Rauch... ;)
Es ist übrigens tatsächlich auch nicht alles wunderbar hier. Gestern wurden wir sehr leise gebeten, das Restaurant zu verlassen, da dies nur für Männer wäre. Afrikanische Männer. Ich behielt mein "ach und warum?!" Für mich und zog mit den anderen Hostelgästen von dannen, die sehr viel geschockter schienen und sofort den Heimweg antreten wollten.
Generell bekomme ich langsam das Gefühl, ich bin viel weniger Tourist als andere hier. Ich werde tagtäglich in der Küche beim Abendessen machen eingespannt, während die anderen selbiges gebracht bekommen. Mag damit zusammenhängen, dass ich mit den Leuten hier eben auch viel unternehme und weniger Gast bin als Mitbewohner. Dafür bekomme ich eben auch Swahili Unterricht von den Leuten direkt, während die anderen dafür einen (teuren) Kurs buchen können. ;) Auch meinem Magen muss ich an dieser Stelle mal gratulieren. Bisher hat er sich gänzlich uneuropäisch und easy verhalten. Guter Magen. Sonnenbrand (diese Info muss...für Mama...) hab ich trotz gelegentlichem Vergessens der Sonnencreme auch noch keinen. Siehst du Mama, keine Sorge, so warm ist es hier auch gar nicht.
Auch das Ausgehen ist hier anders. Oder viel mehr der Inhalt des Abendtäschchens. Eine Pumpgun pro Gruppe gehört dazu. Ich sah wohl doch etwas verstörter aus, als gedacht, denn mir wurde 10 Minuten lang erklärt, sie sei nur für den äußersten Notfall und man habe ja sogar einen Waffenschein. Unterwegs fiel mir auf, dass die Bodyguards der Clubs meist eher schmächtige Halbstarke waren und ich fragte die anderen, wie es denn sein könne, dass solche kleinen Jungs hier ganz allein Wache hielten. Zurück bekam ich nur einen lächelnden sie-kennt-das-eben-nicht-aus-Deutschland-Blick und die trockene Antwort "he has a gun". Wie beruhigend. Anscheinend hat nicht nur mein Hostelchef mit Waffenschein eine Waffe, sondern auch so ziemlich jeder 14jährige.
Aber genug der Angstmacherei, alleine sollte man hier nach 20 Uhr eben tatsächlich nicht umherwandern aber mit den anderen und im Auto ist alles gut, auch hier muss man sich also gar keine Sorgen machen und ich bleib nach 20 Uhr auch brav bei Hundepapa Pibu hinterm Stahlzaun ;)
Trotzdem wars ganz schön, gestern auch mal rauszukommen. Zwar wurde das Deutschland-Frankreich-Spiel in einem französischen Restaurant/Lounge geguckt, was mir einige böse Blicke bei meinem 1:0. Gejubel einbrachte, dafür war die Lounge wirklich schön. Sternenhimmel über der Leinwand, nach dem Spiel ein Feuerwerk, was auch gleich die Polizei auf den Plan rief, Livemusik und Lagerfeuer und die Franzosen entpuppten sich dann auch als ganz nett (meiner Französischkenntnisse sei dank...) und so feierten wir fröhlich bis die Sonne sich langsam ankündigte und ich mich im Auto beherzt an die Pumpgun kuschelte.
So. Genug fürs erste, Ich will hier raus, dieses Café (einziges mit wifi) ist ausschließlich von Weißen besucht (was die enormen Preise erklärt) und ich fühle mich etwas seltsam hier. Alles in allem: ich hab mich eingelebt und vermisse Berlin trotzdem.

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